Bericht und Bilder Sandra Hüttner, Frankenpost
Eine intakte Gemeinschaft
Zusammen mit vielen Gästen aus nah und fern haben die Marxgrüner auf dem Gutshof Loewel den 600. "Geburtstag" ihres Ortes gefeiert.
Marxgrün - Die Marxgrüner, rund 870 an der Zahl, verstehen es, Feste zu organisieren. Dies haben sie am Wochenende bewiesen, als sie zusammen mit Hunderten von Gästen das 600-jährige Bestehen ihres Dorfes feierten. Dreh- und Angelpunkt des Festes in einem außergewöhnlichen Ambiente war der geschmückte Gutshof Loewel.
Am Samstagabend um 17 Uhr eröffnete Bürgermeister und Schirmherr Frank Stumpf die Feierlichkeiten im Gutshof. Nach der musikalischen Einführung des Posaunenchors Marxgrün mit dem Stück "Splendor of Brass" gab der Schirmherr einen Einblick in die Geschichte des Ortes. Stumpf blickte zu den Anfängen zurück und wies unter anderem darauf hin, dass Marxgrün im Volksmund auch schon Marcus, Markes oder Markersgrün genannt wurde und einer Urkunde aus dem Jahr 1516 zufolge der erste Besitzer eines freien Gutes Markhardt geheißen habe und vermutlich einer der Herren von Reitzenstein gewesen sein. "Hammerwerke" in Hölle-Kleinschmieden und um Marxgrün haben die Gegend geprägt.
"Bis ins Jahr 1955 stieg die Einwohnerzahl auf 953", berichtete das Stadtoberhaupt. Auch auf die Geschichte der Familie Loewel, einer Unternehmerdynastie als bedeutende Arbeit- und Geldgeber, ging der Bürgermeister ein, ebenso auf das eigene Wappen, das die Marxgrüner am 17. März 1960 vom bayerischen Innenministerium zugeteilt bekamen. Das blau-rote, durch einen goldenen Wellenbalken geteilte Wappen steht für die Aufteilung des Gemeindegebietes durch die Selbitz. Das silberne Einhorn oben links weist daraufhin, dass das Land links der Selbitz zur Herrschaft Lichtenberg gehörte, deren Wappentier das Einhorn ist. Der silberne Schrägbalken rechts unten im roten Teil des Wappens erinnert an die Zugehörigkeit des rechts der Selbitz liegenden Gemeindeteils zum Rittergut Issigau, das zu den ältesten Besitzungen der Freiherren von Reitzenstein zählte. "In Marxgrün funktioniert das Dorfleben", freute sich der Bürgermeister und machte einen Sprung in die heutige Zeit. Sein Lob galt den mehr als zehn rührigen Vereinen. Ein besonderer Dank galt dem engagierten Stadtrat Manfred Zausig, der zusammen mit Günter Wolf von der Kirchengemeinde und den Vereinsvorsitzenden bewiesen habe, dass die Marxgrüner ein tolles Fest auf die Beine stellen können. Der Dank des Bürgermeisters ging auch an Familie Loewel, die Räumlichkeiten wie den kompletten Innenhof des Gutes für das Fest zur Verfügung stelle. An Andreas Loewel überreichte Frank Stumpf einen Erinnerungsbildband der Stadt Naila mit Widmung.
Dr. Bruno Frobel aus Bamberg vervollständigte und vertiefte den Blick in die Vergangenheit von Marxgrün. Er berichtete aus der Bergbaugeschichte und gab zudem einen umfassenden Einblick in den Stammbaum der Familie Loewel, beginnend im Jahr 1291 bis heute.
Landrat Bernd Hering lobte in seinem Grußwort das hervorragende Miteinander sowie die Gemeinschaft in Marxgrün und wünschte einen weiterhin festen Zusammenhalt der Bewohner. Landtagsabgeordneter Alexander König dankte wie schon zuvor der Bürgermeister Frank Stumpf dem rührigen Stadtrat Manfred Zausig, der immer wieder Projekte anstoße und um deren Umsetzung bemüht sei.
Das Lied der Marxgrüner
Der frühere Gesangverein Marxgrün hatte sich unter der Leitung von Uli Hofmann und Dirigent Martin Hauke extra zum Fest nochmals zusammengefunden, um das Lied der Marxgrüner zu singen. Gedichtet hat es der 1954 verstorbene Heimatforscher Robert Rossner, Anfang der 60er-Jahre hat es der langjährige Vorsitzende und Chorleiter des Gesangvereins Marxgrün, Herbert Peetz, vertont.
Die Eröffnungsfeier des 600. Dorfjubiläums endete mit einem Sektempfang, zu dem Bäckermeister Jürgen Brandler das extra kreierte Festbrot "Rustikaler Marxgrüner" reichte. Dann war Zeit für einen Bummel durch die Ausstellung im ehemaligen restaurierten Stallgewölbe, durch das Zeltlager der Burgfreunde Lichtenberg. Wer wollte, konnte sich auch zu einem gemütlichen Plausch unter die ausladenden Buchen oder in der Festscheune niederlassen. Ab 19 Uhr spielte dann das "Freie fränkische Bierorchester" in der Festscheune für die Gäste auf.
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Reise in die Geschichte
Eine sehenswerte Ausstellung haben die Marxgrüner Vereine zur 600-Jahr-Feier des Dorfes zusammengetragen.
Marxgrün - Zu einer Reise in die Vergangenheit haben am Wochenende die Marxgrüner Vereine im restaurierten Stallgewölbe des Gutshofes Loewel eingeladen. In mühevoller Arbeit hatten sie vor der 600-Jahr-Feier unter Federführung von Obmann Manfred Zausig vom Frankenwaldverein historische Fotografien und Exponate zu einer sehenswerten Ausstellung zusammengetragen. Viele Sammler und Heimatforscher trugen ihren Teil zu der Sonderausstellung bei, die auch Hölle mit einbezog.
Georg Fickenscher von der Firma Trinet aus Hölle hatte einen 15-minütigen Film "Ein bunter Bilderbogen aus dem Marxgrüner Leben der Vergangenheit" gedreht, der im Stallgewölbe zu sehen war.
Gleich im Eingangsbereich hatte Dr. Marion Soganci vom Heimatmuseum in Naila verschiedene Originalschriften vom Bergbauamt Naila an den Kommerzienrat Ernst-Abraham Loewel und Jahrbücher der Berg- und Hüttenwerke ausgelegt. Beim "Marxgrüner Bader" waren Arbeitsgeräte und Handwerkszeug aus alter Zeit zu sehen. Dazu gab es gratis Auskünfte über die Geschichte und Entwicklung der Bader und Barbiere von Antike bis zur Neuzeit.
In der Vitrine daneben lagen Münzen ab der Reichsgründung- Kaiserreich bis zum heutigen Euro. Der Bergknappenverein Issigau zeigte verschiedene Exponate aus der Begbaugeschichte und im hinteren Teil des Gewölbes waren auf großen Schautafeln Unmengen von Bildern aus längst vergangenen Zeiten zu sehen, die an Ereignisse der unterschiedlichsten Art erinnerten. Ausflüge, Feierlichkeiten, aber auch historische Fotos von Gebäuden aus Marxgrün und Hölle nahmen die Betrachter mit auf eine Zeitreise.
Die Landjugend Marxgrün präsentierten sich jugendlich-frisch mit einer Collage. Beim Frankenwaldverein gegenüber hingen ein Wanderrucksack aus früherer Zeit, ebenso eine Trinkflasche und eine Wanderkarte. Alle Marxgrüner Vereine präsentierten sich und nahmen die Besucher der Ausstellung mit ihre Geschichte, die natürlich mit der Geschichte des Straßendorfes Marxgrün eng verknüpft ist.
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Schaukämpfe, und Spiele zum Dorffest
Zu einer 600-Jahr-Feier gehört natürlich auch Mittelalterliches. Was lag also näher, als die Burgfreunde Lichtenberg nach Marxgrün einzuladen, zumal die Ortsteile "links der Selbitz" früher eh zu Lichtenberg gehörten. Deshalb ist auch das Einhorn, das Wappentier derer zu Waldenfels aus Lichtenberg, im Wappen von Marxgrün zu finden. Die Burgfreunde ihrerseits nutzten die Gelegenheit und verlegten ihr jährliches Zeltlager in den Nachbarort. Bereits am Freitagnachmittag bezogen die Lichtenberger Burgfreunde ihr Quartier. Sie bauten im Innenhof des Gutshofes Loewel unter der Kastanie ihr Zeltlager auf, das sonst traditionell für die Kinder unterhalb der Burgmauern in einem Garten in Lichtenberg stattfindet. Hinter der Maschinenhalle in unmittelbarer Nähe der vorbeifließenden Selbitz konnten sich kleine und große Festbesucher in der Kunst des Bogenschießens versuchen. Sehr schnell stellte sich heraus, dass dafür eine Menge an Kraft und auch Zielgenauigkeit gefragt war.
Ein weiterer Anziehungspunkt war die Schmiede der Burgfreunde, untergebracht in der Maschinenhalle. Mit einem riesigen Blasebalg wurde Feuer entfacht, dass die Funken nur so stoben. Das Hämmern beim Herstellen der unterschiedlichsten Utensilien hallte über den Platz. Geschicklichkeit und Ausdauer war beim mittelalterlichen Federspiel gefragt, das vor allem die Kinder in ihren Bann zog. An einem Mast war an einer langen Schnur eine Art Ball befestigt. Zwei Spieler schlugen immer so dagegen, dass sich die Schnur nicht um den Mast wickeln konnte. Dabei kam so mancher ins Schwitzen.
Als weiteres Spiel war das sogenannte Hörnerwerfen im Angebot. Ritter zeigten Schwertkämpfe, und an einem Tisch konnten die Kinder Wappen malen oder Filzen. Auch das Bändchenweben stellten die Burgfreunde vor. Bis Sonntagabend bereicherten die Gäste aus Lichtenberg das Marxgrüner Dorffest mit ihren Kostümen und Spielen. Denn das Fest in Marxgrün verlief ohne "neuzeitlichen Schnickschnack", wie die Veranstalter sagten, also ohne Kinderkarussell und andere Errungenschaften moderner Technik. Die Marxgrüner und ihre Gäste wollten vielmehr das Leben zeigen, wie es früher war.